Freitag, 6. Juli 2012

Recherche kann so grausam sein

Ich weiß, ich quatsche heute wieder ohne Ende, aber wer von meinen verrückten Charakteren ist eigentlich auf die Idee mit der Laos-Vergangenheit von Sam gekommen? Wenn ich es jemals herausfinden, bringe ich den Kerl um. Und die kichernde Muse gleich dazu. Die quält sich ja nicht seit Stunden durch Google und Wikipedia, um so authentisch wie möglich zu bleiben.

Dabei wollte ich eigentlich nur etwas über Splitterbomben wissen, weil Samuel in der Küche von Devins Eltern einen kleinen... ähm, sagen wir mal, Unfall... Ja, genau, er hat also einen kleinen Unfall, der ihm Glassplitter in diversen Körperstellen einbringt und das ist ja so ähnlich, wie die Metallteile von Splitterbomben, mit denen er in Laos zu tun hatte. Also dachte ich mir, lieste mal ein bissl über Laos und Splitterbomben. Dass es darüber genügend Infos gibt, wusste ich, aber ich wusste nicht, wie schlimm es ist. Vor allem die Bilder. Furchtbar, echt.

Ja, ich weiß, wer auf eine Bombe tritt, sieht danach allgemein nicht mehr ganz frisch aus, aber es ist eben doch ein Unterschied, so etwas nur zu lesen bzw. in Filmen zu sehen, als wirklich Recherche darüber zu betreiben, weil man eine Story vernünftig schreiben will. Und ganz ehrlich, nachdem, was ich bislang gelesen/gesehen habe, wundert es mich nicht, dass sich pro Jahr hunderte Soldaten das Leben nehmen, wenn sie in solchen Gegenden stationiert waren, wie die, die ich mir für Samuel ausgeguckt habe.

Ich werde die Szene in der Küche etwas abändern müssen, sonst könnte es zu deftig werden, und das will ich nicht. Noch nicht. Das kommt erst später, wenn Devin Sam dazu bringt, ihm von Eric zu erzählen.

Kommentare:

  1. Realität ist scheiße. Meistens zumindest, vor allem, wenn es un solche Sachen wie Bomben, Minen usw. geht. Jetzt bin ich ja durch das, was ich fast täglich mache immer mit Opfern genau solcher Dinge konfrontiert. Mit Kindern, die auf Minen treten oder für die das Geräusch von fliegenden Bomben zum Alltag gehört und all solche Dinge. Deswegen habe auch ich da phasenweise immer bloß aus Interesse ein bisschen geguckt, ein bisschen recherchiert, mich sehr über vieles aufgeregt und furchtbar schlecht gefühlt, aus dem Grund glaube ich eine leichte Ahnung davon zu haben, was du da für unfeine Dinge zu sehen bekommen hast.

    Ich kann auch verstehen, wenn Menschen sich, nachdem sie solche Dinge gesehen haben, das Leben nehmen, weil sie damit nicht zurecht kommen.
    Aber ich sehe eben auch tagtäglich wie Menschen solche Erlebnisse verarbeiten und trotzdem glücklich - vielleicht nicht nach unseren europäischen Maßstäben - weiterleben können.
    Heute habe ich zum Beispiel mit den Kids Fußball gespielt und die haben haushoch gewonnen. Vermutlich war ich der größte "krüppel" auf dem Fußballplatz mit beiden blöden Knöcheln, die gerade wieder dick werden. Aber das war es mir wert^^ Morgen ein Tag frei und wenn ich nicht vom Pferd falle, werden meine Knöchel bis Sonntag wieder einigermaßen gut sein^^
    Und jetzt lese ich aber erstmal Prolog und erstes Kapitel. Ich freue mich ja auch schon richtig drauf

    Lg
    Anna

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    1. Ich habe gestern dann auch damit aufgehört. Was ich wissen wollte, weiß ich jetzt, aber ich muss keine Kinder mit zerfetzten Beinen mehr sehen oder tote Soldaten. Mag ja sein, dass viele Soldaten diesen Job wegen des Geldes machen oder eben, weil sie wirklich etwas verändern wollen, so wie Chelsea in meiner Story, aber es war mir gestern einfach zuviel, was ich da alles gesehen habe.

      Sam wird dank Devin seinen Weg finden, auch wenn es da noch einiges zu klären gibt. ;-) Im Moment ist die Stimmung eh im Arsch, weil Sam Mist gebaut hat. *g*

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  2. Das ist heftig. Das sind solche Berichte, in denen man recherchiert und bei denen man sich einen Augenblick wünscht, man hätte einfach nicht diese Idee gehabt. Und doch hat es einen dann gepackt uns man muss sich einfach damit beschäftigen und mit den Bildern auseinandersetzen. *seufz*

    *knuddel* Ohne weitere Worte

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    1. Und allein schon aus Trotz, lasse ich die Idee jetzt auch genauso wie sie ist. Wenn ich mich schon durch solche Berichte und Bilder quäle, dann will ich auch was davon haben. Blöd, oder? Aber egal, Sams Geschichte steht damit fest und daran wird jetzt auch nicht mehr gerüttelt. *g*

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  3. Ein schwieriges Thema, vor allem da es einen sehr nah geht. Und ja, ich verstehe auch, dass da so viele Soldaten Suizid begehen. Natürlich nicht nur in diesem Gebiet, sondern allgemein. Sie erleiden ständig, ein wiederkehrendes Traumata. Und das dann noch monatelang durchstehen? Wobei es ja bei Soldaten meistens zu einer starken Persönlichkeitsveränderung kommt. Das ist recht charakteristisch für so eine Berufsgruppe. Oder aber etwas triggert einen Soldaten (so wie bei Sam jetzt dieses explodierte Haushaltsgerät (?)) und dann kann es passieren, dass derjenige, wie der amerikanische Soldat, Zivilisten tötet, da er sie als Feinde ansieht und sich selbst mitten im Krieg sieht, wo es ums nackte Überleben geht.

    Gott, ich labere wieder zu viel. *seufz*

    @ Anna: Darf ich mal so frech sein und fragen was du arbeitest?

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    1. Jap, darfst du :)
      Ich arbeite in einer Hilfsorganisation mit, die verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebiete nach Deutschland holt, sich hier um die Verletzungen und Krankheiten kümmert, die in ihren Heimatländern nicht behandelt werden können und sie dann aber auch wieder nach Hause zurückbringt. Und die Kinder freuen sich immer, wenn sie nach Hause zu ihrer Familie zurück können..
      Wir haben innerhalb der Organisation eine Abteilung, die sich auf die Friedenspädagogik eingeschworen hat und jugendlichen Gruppen die Möglichkeit gibt mit "unseren" Kindern in Kontakt zu treten, mit ihnen zu reden und zu spielen, zu basteln und so. Gleichzeitig machen wir auch Seminare, da bin ich dabei, nur wenn Not am Mann ist. Ich helfe ein bisschen aus, aber es ist toll.

      LG
      Anna

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    2. Jap, es ist eine Mikrowelle, die ihn so aus der Bahn wirft, dass er im Schock Dinge ausplaudert, über die er eigentlich gar nicht reden darf. Als Ergebnis davon, weil die Jungs ihn natürlich später darauf ansprechen, macht er schließlich dicht, worauf dann erstmal der Haussegen schief hängt.

      Devin hat später eine gute Erklärung für die zwei Persönlichkeiten, in die sich Sam praktisch aufgeteilt hat. Zwar nicht im Sinne von, dass er irre ist, aber um mit seinen Erlebnissen fertigzuwerden, gibt es eben den Sam, der er jetzt ist und den, der er vor der Armee war. Und das wird Devin ihm auch noch schonungslos unter die Nase reiben.

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    3. Letztendlich wird er der explodierenden Mikrowelle irgendwann dankbar sein, auch wenn es sich zunächst nicht danach anfühlt. Ich schätze mal, dass die Jungs dann durchaus die Anzeichen erkennen und selbst wenn er zu dem Zeitpunkt dicht macht, das Rad ins Rollen gekommen ist und Dev und der Rest es nicht mehr ruhen lassen. Denn auf die Dauer geht es einfach nicht gut, wenn man solche Erlebnisse nur verdrängt. Das weiß jeder der Jungs aus eigener Erfahrung gut.

      Ich kann Sam da gut verstehen, da ich das an seiner Stelle wohl genauso gemacht hätte. Und es wird wohl nicht so leicht und vor allem schmerzhaft werden, die beiden Sams da wieder zu vereinigen. Gut, dass er da an Devin gekommen ist. Ich schätze mal, dass der damit gut umgehen kann.

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    4. @ Anna: Das klingt sehr interessant und es ist definitiv eine sehr gute Sache. :-)
      Die Kinder brauchen auch sowas, es hilft ihnen und das ist einfach extrem wichtig, vor allem wenn man bedenkt, was sie in ihrer Heimat erlebt haben. Und wenn ihr die Kinder zusammenführt schafft ihr damit vermutlich auch eine große Toleranz bei jedem Einzelnen. :-)

      @ Matty: Weißt du an was mich das mit den beiden Persönlichkeiten erinnert? Man sagt, dass jemand der ein extremes Trauma erlitten hat dissoziiert. Jetzt nicht, dass er zwei Persönlichkeiten hat, sondern einfach diese schlimmen Momente abgeschoben hat, sodass sie in seinem Alltag nicht integriert sind, sondern nur hochkommen wenn eben irgendeine Situation triggert. War das jetzt irgendwie verständlich? Es ist für mich gerade sehr schwer meine Gedanken auszudrücken. *gg*

      Ich verstehe, dass er dicht macht. Ich denke, niemand möchte sich an solche Sachen erinnern. Wobei ich natürlich auch die Anderen verstehe, da sie sich sicherlich Sorgen machen. *seufz*

      Ich bin schon sehr auf Devins Erklärung gespannt. ;-)

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    5. @Corina: Also ich fand das sehr verständlich ausgedrückt und finde es auch total nachvollziehbar. Und ich denke auch, dass das so auf Sam zutrifft. Nicht im Sinne einer multiplen Persönlichkeit, sondern genau so, wie du es beschreibst, dass er sich einfach von seinen Erinnerungen und dem Armee-Sam abschottet. Vielleicht gibt es ja irgendwann einen kleinen Teaser, was die Szene betrifft, bzw. Dev Erklärung. Ich bin sehr froh, dass Dev so hartnäckig ist, denn das wird ein ganzes Stück Arbeit für Sam und ihn...

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    6. Ich kann Sam auch gut verstehen. Das Problem bei der Sache ist zudem noch, dass er offiziell eigentlich den Mund halten muss. Aber wie soll man das im Schock? Und vor allem, wenn dann das Jugendamt dahinterkommt? *hust* Sam würde das Ganze wirklich am liebsten völlig aus seinen Erinnerungen streichen, aber das ist unmöglich. Nicht, dass er es nicht trotzdem versuchen wird. *sfz*

      @Corina: Das war sehr verständlich, denn genau darauf ziele ich später ab. *g*

      Aber er hat halt darüber geredet und damit den Stein ins Rollen gebracht. Und gerade das, was er zu Devin gesagt hat, bringt die Jungs natürlich zum Nachdenken und auch sich Sorgen machen. Die ganze Situation ist einfach nur Mist gerade und da muss es erst im Gericht so richtig krachen, damit Samuel langsam die Mauern wieder unterfährt.

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    7. *Sam knuddelt* *Dev Knuddelt* *Matty knuddelt* Oje, Emotionales Chaos pur... Was hat er denn zu Dev gesagt? (*"Teaser" flüstert und sich schnell wegduckt*)

      Sam schleppt da einfach viel mit sich heraum und dass er den Mund halten muss, trägt dazu bei, dass er das alles verdrängt. Was soll er denn sonst machen? Er hatte doch eigentlich keine andere Wahl, um irgendwie weiterzuleben.

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  4. @ Sue: Schön. :-) Mir kam es etwas verwirrend vor. *g* Eine dissoziative Identitätsstörung bildet sich ja auch meistens von der Kindheit (meist ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr) aus an, durch schweren körperlichen bzw. sexuellen und seelischen Missbrauch. Ein Kind in diesem Alter hat keine ausgeprägten Abwehrmechanismen und daher ist dann eine Dissoziation am sinnvollsten. Wobei man auch sagen muss, dass man meistens dann nicht nur eine zweite Persönlichkeit in sich hat, sondern definitiv mehr. Ich schweife schon wieder aus. *seufz*

    @ Matty: Ich verstehe Sam da sehr gut, vor allem weil es ja wirklich auch um das Sorgerecht von Amber geht. Wer hätte da nicht Angst? Ich schätze es ist einfach menschlich solche Sachen zu verdrängen, aber man vergisst halt immer wieder, dass sie irgendwann hochkommen. Sam wird das vermutlich auch noch bemerken.

    Ich denke, dass Devin gute Chancen hat, dass Sam sich ihm anvertraut.

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    1. Irgendwer murmelte hier was von Teaser? Muse, was sagst du dazu?

      Hier spricht die Muse: Na ja, weil Wochenende ist und die Sonne scheint, will ich mal nicht so sein. *kicher*

      Devin ist da am Ende wirklich hartnäckig, muss ich gestehen. *g* Und auch sehr energisch, denn nach ihrem Gerichtstermin, der ein bisschen ausufert *hust*, will er wissen, was los ist, und als Sam ihn dann anlügt und behauptet, es wäre nichts, wird Devin etwas direkter in seiner Wortwahl. *hüstel*

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    2. Oh, ich liebe deine Muse. :-)

      Das kann ich mir bei Devin denken. *gg* Aber ich schätze Sam braucht auch so jemanden als Freund. ;-) Und wir wissen ja, dass Devin kein Blatt vor dem Mund nimmt. *lach*

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    3. *lach* Ich liebe sie auch. Das ist definitiv spannender als die synthese von Isochinolin-Alkaloiden. *g*

      Dev muss da auch hartnäckig sein, sonst wird er zu keinem Ergebnis kommen.

      @Corina: Oh, ich find das interessant. Ein bisschen was liest man ja darüber, wenn man sich dafür interessiert und ich bin da auch immer neugierig, um mein Wissen zu erweitern. ;) Also nicht zurückhalten. *g*
      Und ich fand dich total verständlich. ;)

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  5. @ Sue: Schön. :-) Dann bin ich beruhigt. *gg*

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