Sonntag, 27. Januar 2013

Gesucht: guter Lesestoff abseits vom großen Verlagsgeschäft

Kleinverlage und Selfpublisher sind derzeit in aller Munde, und da ich selbst zu den sogenannten Indie-Autoren gehöre, gehen die Diskussionen über dieses Thema auch an mir nicht vorbei. Im Gegenteil, ich tausche mich derzeit mit meiner Korrekturmaus darüber aus, und uns sind bereits einige Meinungen untergekommen, in denen der Tenor in etwa heißt:

„Erstmal gucken, statt gleich die Nase zu rümpfen, nur weil kein großer Verlag hinter dem Autor/der Autorin steht.“

Selbstverlegern haftete lange Zeit der Ruf an, Autoren zu sein, die es im Verlagsgeschäft nicht geschafft haben, während Kleinverlage gern belächelt und kaum wahrgenommen wurden. Warum? Weil sie nicht gut waren, zu exotisch, zu sonderbar, nicht willig, sich dem Verlagsprogramm der 'Großen' anzupassen. Das war die allgemeine Meinung.

Dabei wurde die Tatsache, dass sich immer mehr Autoren bewusst gegen große oder überhaupt gegen Verlage entscheiden, für sehr lange Zeit schlichtweg ignoriert. Gründe dafür gibt es viele. Gelesen habe ich z.B. von einem Autor, der es leid ist, jedes Mal Monate auf die Veröffentlichung zu warten und sich ewig mit dem Grafiker wegen der Covergestaltung zu streiten. Ein anderer Autor schrieb in seinem Blog, dass er mit seiner in Eigenregie verlegten Geschichte in 3 Monaten mehr verdient hat, als zuvor im Verlag in 3 Jahren. Wieder ein anderer schrieb, er habe keine Lust mehr seine Geschichte nachträglich mit einer Romanze zu versehen, weil der Verlag das von ihm verlangt habe.

Was davon stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Persönlich kann ich sagen, dass der Verdienst pro Verkauf als Selfpublisher definitiv höher ist, als der beim Autor mit Verlagsvertrag. Ist ja auch logisch, immerhin hängen bei einem vom Verlag herausgebrachten Buch viel mehr Leute mit dran. Dafür muss sich ein Selbstpublisher allerdings um alles allein kümmern, vom Layout im Buch, bis hin zum Cover. Oder er engagiert sich Leute dafür, die diese Arbeit übernehmen, das ist jedem selbst überlassen.

Über in Eigenregie verlegte Bücher wurde und werden noch immer viele Schauergeschichten erzählt, doch die Stimmung ändert sich. Allen voran bei den Lesern, die es satt haben, den 10. Aufguss einer Shades of Grey-Geschichte zu lesen oder den 15. Dark-Romance-Roman mit dem Superkerl, der das schwache Weibchen rettet, die ihm nach einem Blick in seine umwerfend schönen leuchtend blauen Augen auf ewig verfällt.

Ich denke, ich kann mir weitere Beispiele sparen, ihr wisst, welche Sorte Bücher ich meine. Dabei müssen diese Bücher nicht mal schlecht sein. Im Gegenteil, ich lese sie ab und zu ganz gerne. Doch ich möchte einfach auch mal etwas Anderes lesen und da fangen die Probleme an, denn wenn ich in einer Buchhandlung stehe und mir das immer gleiche Angebot anschaue, wird es auf Dauer langweilig. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da und daher suchen viele Leser nach Alternativen. Doch wo sollen die herkommen, wenn die großen Verlage lieber auf Nummer sicher gehen, was ihre Gewinne betrifft, und meist solche Bücher verlegen, wie oben beschrieben?

Wo sind die vierstöckigen Regale mit Homoerotic, mit unbekannten Autoren, mit Geschichten, die sich von der Masse abheben?

Ich habe bislang keine gefunden und daher führte mich mein Weg in den vergangenen Monaten weg von Buchhandlungen und großen Verlagen, hin zu kleinen Verlagen und Selfpublishern, die mir genau das bieten, was ich suche. Abwechslung und gute Geschichten.

Dort sind die Bücher zwar oft etwas teurer, als das normale Taschenbuch im Laden. Dort hat nicht jedes Buch oder E-Book ein Lektorat durchlaufen oder das supertollste Cover, aber ganz ehrlich, mir ist das mittlerweile ziemlich egal. Als Leser verzeihe ich gern ein paar Tippfehler, vergessene Wörter oder Absätze (Ganz davon abgesehen, dass ich solche Fehler immer öfter in Büchern finde, in deren Fußzeile 'Heyne', 'LYX', 'Goldmann', 'Bastei Lübbe' etc. steht.), solange die Geschichte stimmt und das tut sie im Großteil der Fälle. In der letzten Zeit habe ich viele Bücher & E-Books gelesen, die im normalen Buchhandel überhaupt nicht zu finden sind und das ärgert mich, denn kleine Verlage und Selfpublisher sind weitaus besser als ihr Ruf.

Natürlich muss ich als Leser nach guten Geschichten suchen und man fällt auch durchaus mal auf die Nase, wenn die Leseprobe mehr geboten hat, als der eigentliche Inhalt später. Aber das kann einem in der Buchhandlung um die Ecke genauso passieren und ich gebe lieber mehr Geld für ein Buch aus oder greife beim E-Book eines unbekannten Autors daneben, statt wieder einmal den 10. Aufguss von yxz zu lesen.

Kommentare:

  1. Sicherheitshalber poste ich es auch hier und nicht nur auf FF.de. *gg* Du weißt ja, doppelt hält besser. ;-)


    Du weißt ja mittlerweile dass ich vollkommen deiner Meinung bin und möchte es somit auch nochmal bestätigen. *g*

    Leider ist es wirklich so, dass man sich zur Zeit einfach von den großen Verlagen abwenden muss. Ein Buch gleicht dem anderen, mit natürlich kleinen Ausnahmen. Und irgendwann ist man dem überdrüssig. Ich meine, ich lese um dem Alltag zu entfliehen, um in eine andere Welt zu tauchen, aber wie soll das noch möglich sein, wenn ich von vornherein weiß, wie dieses Buch enden wird oder wie soll ich mich darauf freuen, wenn es einem anderen Buch einfach extrem gleicht? Da vergeht mir wirklich die Freude am Lesen und es ist traurig, dass ich das sogar mal aussprechen muss.

    Deshalb orientiere ich mich zur Zeit auch eher an jemanden der seine Bücher selbst veröffentlicht oder an einem kleinen Verlag. Natürlich kann man, wie du sagst, dabei einen Fehlgriff machen und natürlich sind sie etwas teurer, aber wenn mir der Großteil der Bücher gefällt, dann ist es mir das auch wert. Und ganz ehrlich, ich unterstütze gerne solche Autoren. :-) Es ist einfach Schade, dass man ihr Potential nicht erkennt, weil sie einfach nicht in das vorgegebene Schema passen.

    Und durch diverse Probleme kann ich auch verstehen, dass viele die zuerst bei einem Verlag waren, diesem den Rücken kehren und es selbst machen wollen. Auch wenn es natürlich mehr Arbeit ist. Aber seien wir ehrlich, wem würde nicht die Freude am Schreiben vergehen, wenn man jedes Mal wegen dem Cover diskutieren müsste, wenn man jedes Mal sein Buch vor diversen Änderungen schützen muss?

    Und ich warte auch darauf, dass es irgendwann mal einen homoerotischen Bereich in diversen Buchläden (die nicht darauf spezialisiert sind) gibt, einfach weil es so gute Bücher in diesem Gendre gibt. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass es diverse Leute geben wird, die sich gegen so etwas aussprechen und empört reagieren würden, aber ist das wirklich so ein Tabu? Ist es so schlimm, dass sich in einem Buch keine Frau in einen Mann verliebt, sondern ein Mann in einen Mann oder eine Frau in eine Frau? Wenn mal nicht mal in Büchern so etwas tolerieren kann, wie soll es dann jemals in der realen Welt geschehen?

    *knuddels*
    Corina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Man muss wirklich genau gucken, was man sich noch kauft. Bis vor zwei Jahren habe ich selbst vorrangig nach dem Preis geguckt. Da wurde, selbst wenn mir der Inhalt gefiel, ein Buch über 10 Euro eher selten gekauft. Das hat sich mittlerweile ziemlich geändert. Was bleibt einem auch übrig, wenn man sieht, was von Läden wie Thalia derzeit groß beworben wird? Davon interessiert mich fast gar nichts, also gehe ich woanders hin.

      Klar ist nicht jeder Selfpublisher gut und es gibt garantiert genug, wo ich sagen würde, such' dir ein anderes Hobby. Aber das ist auf Plattformen wie FF.de genauso und dazu gibt es die Leseproben, die Empfehlungen oder die Mundpropaganda. Ich kaufe bei Büchern ohnehin kaum die Katze im Sack, sondern gucke erstmal, ob es was für mich wäre. Man muss eben suchen, das gehört dazu, und wer dazu keine Lust hat, der kauft eben weiter die Bestseller, die mir derzeit nur eine Gänsehaut entlocken, und zwar keine angenehme.

      Was Homoerotik angeht, ich glaube, darüber könnten wir ewig und drei Tage diskutieren. Das wäre wirklich ein Traum, in einen Buchladen gehen zu können und dort ein großes Regal nur mit solchen Büchern zu finden. :-)

      Löschen
    2. Der Preis war für mich eigentlich nie wirklich das Problem, aber wie gesagt, es hat sich alles irgendwie angepasst. Und bevor ich mir ein 300 Seiten Buch kaufe, welches immer wieder das selbe Thema behandelt, kaufe ich mir lieber eines mit weniger Seiten und denselben Preis, wo mich aber der Inhalt interessiert. Und man kann ja nur mehr auf solche Autoren oder so einen Verlag ausweichen.

      Natürlich, darüber muss man gar nicht diskutieren, aber wie gesagt, das sieht man an Hand von diversen Kommentaren, oder Leseproben. Da sieht man schon mal ob der Schreibstil ok ist, ob es zu viele Fehler gibt und ob es von dem Plot her passt. Man sucht zwar länger, aber dafür lohnt es sich dann.

      Oh ja, das wäre einfach nur toll. Aber leider, im Moment, sehr utopisch. *sfz*

      Löschen
    3. Die Entwicklung geht eindeutig hin zu Selbstverlegern, auch wenn deren Bücher teurer sind. Ich finde es gut, denn so wird die Abwechslung auf dem Markt einfach größer. Da können die Bücher ruhig teurer sein, das ist es mir heute Wert. Eben aus den Gründen, die du auch angesprochen hast. :-)

      Der Leser muss halt gucken, was er kauft, und wer das nicht kann, hat Pech gehabt. Ich habe schon oft Kommentare gelesen, wo sich über Bücher beschwert wurde, dabei hatte der Käufer nicht mal die Leseprobe gelesen. Warum nutzt man das Medium nicht, wenn es da ist, bevor man Geld ausgibt? Natürlich gibt es kein Garant dafür, dass das Buch am Ende wirklich gut ist, aber so sieht man doch wenigstens, ob es einem "ungefähr" gefallen könnte.

      Der Buchmarkt kann sich ruhig weiter so verändern, so komme ich wenigstens zu gutem Lesestoff und kann mir Bücher ins Regal stellen, die der Autor sonst vielleicht nie veröffentlicht hätte - siehe "Mecklenburger Winter" von Chris, um mal ein gutes Beispiel zu nennen. *g*

      Löschen
    4. Schön dass wir da einer Meinung sind. *g* Ich finde es auch wichtig, dass es Abwechslung gibt, ansonsten stirbt der Buchhandel vielleicht noch aus, wenn da jedes Mal die selben Bücher rauskommen. *g*

      So sehe ich das auch - vor allem weil es bei fast allen Büchern schon eine Leseprobe gibt. Und dann erkennt man doch gleich mal ob es für einen passt oder nicht. Und wenn es dann trotzdem ein Fehlkauf war - naja, dann kann man nichts machen.

      Oh ja, da sieht man dann auch voller Freude zu seinem Bücherregal. *g*

      Löschen
    5. Moinmoin und danke für den Artikel mit dem du gut den Kern triffst.
      Alles hat Vor- und Nachteile und natürlich auch das Selfpublishing. Ich habe zwei Bücher selbst herausgegeben: eins als Experiment und das zweite ganz bewusst selbst, weil es im Verlag viel zu teuer geworden wäre oder geteilt hätte werden müssen. So konnte ich den Preis selbst bestimmen und leserfreundlich machen.
      Ich persönlich würde immer zweigleisig fahren, denn im Verlag zu veröffentlichen eröffnet mehr Möglichkeiten zb im Buchhandel und auf Messen.
      Allerdings möchte ich die Erfahrungen beim Selfpublishing nicht mehr missen und meine Bücher ITop und Bodycaught werde ich sehr wahrscheinlich ebenfalls selbst verlegen.

      Löschen
    6. Moin Chris,

      definitiv. Die Vorteile liegen genauso auf der Hand, wie die Nachteile - auf beiden Seiten. :-)

      Bei mir fing es auch als reines Experiment an, einfach für meine Leser der Ostküsten-Reihe und natürlich mich selbst, was man den ersten Versionen ansieht. *g* Aber ich finde genau wie du, man sollte es den Schreiberlingen immer selbst überlassen. Murks gibt es überall, bei Indie-Autoren genauso wie im Verlag. Am Ende entscheidet doch eh der Leser, was er im Regal stehen oder auf dem Reader haben will. :-)

      Dieser Drauftreten auf Kleinverlage und Indie-Autoren finde ich unmöglich, denn ich habe dort schon viele gute Sachen gefunden. Sie haben genauso ihre Existenzberechtigung, wie jeder andere Verlag.

      Und in deinem Fall freue ich mich besonders auf Irgendwie Top. Das werde ich mir auf jeden Fall fürs Regal holen, ganz egal, wie du es am Ende veröffentlichst. *g*

      Löschen
    7. Ds wird ein ziemlicher Wälzer und wenn du möchtest, kriegst du ihn dann mit Signatur für dein Regal ;-)
      Wenn nur das mühsame Überarbeiten nicht wäre ... seufz. Und so viele andere storys, die einen ablenken wollen.

      Löschen
    8. Ohhh, eine Signatur nehme ich wahnsinnig gerne. Dankeschön. *freu*

      Ich muss gerade lachen. Wem sagste das. Ich lasse mich auch zu gerne ablenken, obwohl ich eigentlich dieses oder jenes machen müsste. Aber wenn die Charaktere rufen und die Muse mit Ideen winkt, was soll man da machen, außer auf sie hören natürlich? *gg*

      Löschen
    9. Auf den Wälzer kann man sich nur freuen. *g* Und natürlich auf Bodycaught. Da bin ich wirklich am überlegen, auf welches ich mich mehr freue. *g*

      Löschen

Fragen, Wünsche, Anmerkungen, lustiges Gelaber? Mir ist alles Willkommen. Traut euch. Ich beiße nicht. :-)