Montag, 31. August 2015

Deutschland kapituliert...

...vor Rechten, vor der Masse an Flüchtlingen aus aller Herren Länder, aber vor allem vor dem eigenen Volk, das seit Tagen begeistert dabei ist, sich gegenseitig zu zerfleischen, weil irgendwer ja an dem ganzen Chaos Schuld sein muss, dass „die da“ (gemeint sind die Flüchtlinge) eingeschleppt haben.

So ähnlich habe ich es heute Morgen in einem Artikel gelesen, der sich vorrangig darum drehte, dass der „Ossi“ an den Rechten schuld wäre. Ich betrachte das Ganze schon länger mit einem Kopfschütteln, doch heute früh ging mir endgültig der Hut hoch. Was soll dieser Schwachsinn mit Ossi und Wessi eigentlich? Wann fiel die Mauer noch mal? Erinnert ihr euch an das genaue Datum? Wer weiß es aus dem Stehgreif ohne nachzuschlagen?

Ich gestehe, ich nicht, weil ich 11 Jahre alt war, als es passierte und gar nicht verstand, was der Fall der Mauer überhaupt heißt. Ich wusste nur, dass mein Papa mit uns Kindern nach drüben fahren wollte, damit wir unser Begrüßungsgeld ausgeben können. Für mich war das ein verfrühtes Weihnachten und ich erinnere mich an den Walkman, den ich auf der Rückfahrt in meinen begeisterten Händen hielt. Heute bin ich 37 Jahre alt und weiß, dass wir seit über zwei Jahrzehnten ein geeintes Deutschland sind.

Trotzdem steht die Mauer in unseren Köpfen noch immer und was ist da leichter, als sämtliches rechtes Gedankengut, die vielen Anschläge und auch die angezündeten Flüchtlingsheime mal schnell dem „blöden Ossi“ in die Schuhe zu schieben.

Rassismus gibt es überall auf der Welt, nicht nur in Deutschland, und vor allem nicht nur im Osten dieses Landes. Doch nie schien es so schlimm wie heute, wenn man sich wagt eine kritische Meinung zum Thema Asylpolitik zu verkünden. Wer nicht uneingeschränkt Pro-Asyl ist, ist ein Nazi und wahrscheinlich einer aus dem Osten. Aus. Ende. Das ist der Tenor in den Medien und er wird mit Bildern von rechten Schlägern und Deppen garniert, die zwar den Hitlergruß beherrschen, aber nicht in der Lage sind 2 + 2 ohne Taschenrechner zu addieren. Ich wähle bewusst dieses Klischee vom dummen Nazi, obwohl ich weiß, dass die wenigsten von ihnen wirklich dumm sind. Aber gerade diese wenigen, auf die das zutrifft, werden durch alle Nachrichten gezerrt, während diejenigen, die kritisch hinterfragen, die nicht alles toll finden, was unsere Politik beim Thema Asyl gerade treibt (oder sagen wir besser nicht treibt), kaum Gehör finden.

Ich bin ein „Ossi“, der seit Jahren im Westen lebt. Ich fühle mich hier wohl, mag meine Nachbarn (von denen übrigens auch nicht alle Deutsche sind), habe nichts gegen das Flüchtlingsheim, das knappe 500 Meter von meinem Wohnhaus entfernt eingerichtet wurde und bin trotzdem kein Fan der aktuellen Asylpolitik. Doch das darf man mittlerweile nur noch hinter erhobener Hand sagen oder am besten gleich flüstern, damit es niemand hört, weil: „Du bist nicht für die Aufnahme aller Flüchtlinge? Bist du ein Nazi?“

Nein, ich bin kein Nazi und ich verachte diese Anschläge auf Asylheime, denn das ist nicht der richtige Weg, um seinen Frust über die derzeitige Situation loszuwerden. Dennoch setze ich jetzt ein „Aber“ hintendran (und das wäre wohl der Punkt, an dem Zeitungen und Fernsehen ausblenden würden, um ihr Klischee vom pöbelnden Ossi-Rassisten weiter schüren zu können), denn unsere Politik ist Mitschuld an den Kriegen und dem vielen Elend in verschiedenen Ländern dieses Kontinents, also ist es verdammt noch mal auch unsere Pflicht einem Flüchtenden aus Syrien (oder einem verfolgten Schwulen aus Russland, die Liste ließe sich fortsetzen) ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit auf ein Leben in Frieden zu geben.

Ebenso ist unsere Politik in meinen Augen Mitschuld daran, dass diese Gewalttaten passieren, denn sie hat jahrelang das eigene Volk ignoriert und den Kopf in den Sand gesteckt, als es bereits vor Jahren hieß, das Asylrecht muss überarbeitet werden, bevor die Flüchtlinge über die Grenzen stürmen. Jetzt sind sie hier und was ist passiert? Nichts. Wie so oft. Und dann wundern sich unsere lieben Politiker, dass ihren Bürgern irgendwann der Geduldsfaden reißt?

Also muss schnell ein Schuldiger her und den hat man in den „rechten Ossis“ gefunden, dabei gibt es überall im Land Anschläge und rechte Gruppierungen. Aber es ist ja (wie immer) leichter den Finger auf andere zu richten, statt sich mal zu fragen, wer wirklich Schuld an dem Flüchtlingsdrama ist.

Kommentare:

  1. Da kann ich dir nur zustimmen.
    An der ganzen Situation ist die Politik schuld.
    Kein anderer.

    Da kommen hunderttausende Flüchtlinge, zum Teil aufs Schlimmste traumatisiert, nach Deutschland und werden mit Hass empfangen. Das ist beschämend.

    Schuld hat aber die Politik. Der Flüchtlingszustrom ist einfach zu groß, um noch wirklich angemessen koordiniert zu werden.

    In Tübingen will der Bürgermeister (von dem ich sowieso kein Fan bin, da er die Tierversuche am Max Planck Institut unterstützte) Privateigentum beschlagnahmen. Hallo?!

    Die ganze Sache wird früher oder später eskalieren.


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Übrigens gibt es gerade ein tolles Video von Oliver Kalkofe.
      Das kann man nur unterschreiben.
      Die Zustände in Deutschland sind einfach nicht mehr tragbar.
      Das "nichts tun" der Politiker muss aufhören und ebenso muss die laute Stimme der "Braunen" verstummen.

      Sollte sich da nicht etwas ändern, wird die Sache eskalieren und dann haben wir ein großes Problem.

      http://videos.huffingtonpost.de/politik/botschaft-an-fluechtlingsgegner-oliver-kalkofe-hat-eine-geniale-botschaft-an-alle-rassisten_id_4913506.html

      Löschen
    2. Es sind meistens die Politiker, die entweder den Mund nicht aufkriegen oder nichts tun oder beides, Frau Merkel ist da ganz Klasse drin, wie man in den letzten Monaten eindeutig beobachten kann.

      Aber hinterher, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann kommen sie alle aus ihren Löchern und überbieten sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und dem Fingerzeig auf den Bürger, der sich daneben benimmt. Warum benimmt er sich denn daneben? Weil er anders kein Gehör findet und über Jahre hinweg mit all seinen Sorgen und Problemen ignoriert wurde. Das ist keine Entschuldigung für Anschläge auf Asylanten, denn die können nun wirklich nichts dafür, aber ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo ich sage: Es war zu erwarten, dass das passiert, so schlimm das auch klingt.

      Löschen

Fragen, Wünsche, Anmerkungen, lustiges Gelaber? Mir ist alles Willkommen. Traut euch. Ich beiße nicht. :-)